Gottes Tempel

„Und in seinem Tempel ruft alles: Herrlichkeit!“

Psalm 29,9

Ein Thema, das mich immer wieder neu beschäftigt, ist der Tempel Gottes, der ein Ort der Anbetung war und der ein Ort der Anbetung ist.

Vor kurzem hörte ich eine Predigt von Johannes Hartl, in der er über den Tempel als einen Ort in der himmlischen Welt sprach. Er sprach über David, der in Psalm 5,8 betete und sang:

“Ich aber, durch die Fülle deiner Gnade gehe ich ein in dein Haus; ich bete an zu deinem heiligen Tempel hin, in der Furcht vor dir.“

Ich habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht, aber er wies drauf hin, dass ja erst Davids Sohn Salomo den Tempel erbaut hat und welchen Tempel David dann wohl meint. Er geht davon aus, dass David den himmlischen Tempel wahrnahm und dort im Geist anbetete. Ähnlich betete David auch noch mal in Psalm 138,2.

Der Aufbau des Tempels lehnt sich ja an den Aufbau der Stiftshütte an. Als Gott Mose damit beauftragte, diesen Ort zu errichten, sagte Er zu ihm:

“Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, damit ich in ihrer Mitte wohne. Nach allem, was ich dir zeige, nämlich dem Urbild der Wohnung und dem Urbild all ihrer Geräte, danach sollt ihr es machen.“ (2.Mose 25,8-9)

Auch diese Verse scheinen davon zu sprechen, dass es da etwas bei Gott gibt, was als Vorlage für diesen sichtbaren Orte der Anbetung diente. Gott wollte Mose das „Urbild“ dessen zeigen, was Er Seine Wohnung nennt. Mose sollte alles genauso umsetzen und Gott wollte das Ergebnis als Wohnung in der Mitte des Volkes Israel annehmen. Eine unsichtbare Realität sollte sichtbar gemacht werden. Im Rest des zweiten Buch Moses kann man von der Umsetzung dieses Planes und all seinen Details lesen.

Vor einiger Zeit las ich in dem Buch „Temple Themes in Christian Worship“ von Margaret Barker davon, dass in der ersten Zeit der Christenheit der Gedanke normal war, dass der Tempel einen Mikrokosmos der Schöpfung darstellte. Es heißt, als Mose die ersten 6 Tage auf dem Berg Sinai von der Herrlichkeit Gottes bedeckt war (2.Mose 24,16), dass Mose in diesen Tagen eine Vision von den 6 Schöpfungstagen hatte und sollte dies in der Stiftshütte auch darstellen. Die Schöpfungstage korrespondieren mit den Stationen, in denen die Stiftshütte ausgebaut wurde. Das Allerheiligste und das Heiligtum stellten die unsichtbare und sichtbare Welt dar, Himmel und Erde mit der Gegenwart Gottes, die im Herzen der Schöpfung verdeckt ist.

Im ersten Tag legte Gott die Grundlage für die ganze Schöpfung, indem er eine Ordnung aus dem herrschenden Chaos schaffte, die die ganze Schöpfung tragen und erhalten würde. Dies wird im Allerheiligsten repräsentiert, der Ort, der für Gottes Thron und all die Engel um ihn herum steht. Gott selbst erhält das ganze Universum (Kol.1,16).

Im zweiten Tag schaffte Gott eine Trennung und es gab ein oberhalb und unterhalb von der Wölbung, die er kreierte. Und das oberhalb wurde Himmel genannt. In der Stiftshütte finden wir das in dem Vorhang wieder, der das Allerheiligste vom Heiligtum trennte, in dem die Priester ihren Dienst taten.

Am dritten Tag sammelte Gott alles Wasser unterhalb der Wölbung und trennte dadurch Erde und Meere. Und er ließ Pflanzen aller Art entstehen. In der Stiftshütte findet sich das auf dem Schaubrottisch wieder…das Brot aus den Saaten der Erde, die Früchte des Weines, Kräuter für die Düfte…

Am vierten Tag wurden all die Sterne, Sonne und Mond eingesetzt. Diesen Tag finden wir in dem siebenarmigen Leuchter wieder.

An dieser Stelle sind die alten Aufzeichnungen unterbrochen, da es Probleme mit den griechischen und hebräischen Texten gibt, aber ich fände es nachvollziehbar bei der Schöpfung der Tiere an den Opferaltar im Vorhof zu denken.

Sicher ist aber wieder, dass als Gott am sechsten Tag den Menschen schuf, er den Hohepriester für seinen Tempel erschuf, der Zugang zu der Gegenwart Gottes haben sollte im Herzen der Schöpfung.


Ich finde es sehr faszinierend, dass dieses Tempelthema sich von Anfang bis Ende durch die ganze Bibel zieht.

Im Epheserbrief werden wir als die Gläubigen dann als der Tempel Gottes bezeichnet:

“Ihr seid aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus selbst der Eckstein ist. In ihm zusammengefügt, wächst der ganze Bau zu einem heiligen Tempel im Herrn, und in ihm werdet auch ihr mit aufgebaut zu einer Behausung Gottes im Geist.“ (2,20-22)

Nach dem, was wir jetzt schon alles über den Tempel gesehen haben, ist das nicht überwältigend? Wir SIND die Wohnung, durch die der lebendige Gott in unserer Mitte wohnt.

Auch 1.Petrus 2,4-5 spricht davon, dass wir uns zu dieser Behausung Gottes aufbauen lassen sollen:

“Zu ihm kommend als zu einem lebendigen Stein, von Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt, kostbar, lasst euch auch selbst als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus (Tempel), ein heiliges Priestertum, um geistliche Schlachtopfer darzubringen, Gott wohlannehmbar durch Jesus Christus!“

Auch in diesen Versen wird deutlich, Jesus ist der erste lebendige Stein, auf dem die Gemeinde als Tempel aufgebaut wird. Jeder einzelne ist ein lebendiger Stein nach dem Vorbild, das Jesus gibt. Gemeinsam sind wir die Behausung Gottes. Gemeinsam bilden wir den Ort, an dem Gott angebetet wird. Wie in der Stiftshütte und im Tempel die Priester Gott in dem Anbetungsdienst dienten, sind wir als Priestertum in diesem geistlichen Haus berufen. Und auch dort folgen wir dem Beispiel unseres gemeinsamen Hohepriesters Jesus  Christus.


Ich habe schon einige Predigten über die Stiftshütte/ den Tempel gehört und habe in einigen Büchern darüber gelesen, was die ganze Einrichtung auch für unser geistliches Leben bedeuten kann, wie z.B. der Leuchter für Jesus als das Licht oder die Führung des Heiligen Geistes stehen kann, oder die Brote auf dem Schaubrottisch von Jesus als dem Brot des Lebens und unserer geistlichen Ernährung sprechen. Ich habe dabei die Stiftshütte mehr als ein Bild für diese Wahrheiten gesehen, aber nun verstärkt sich das Gefühl, dass es dabei wirklich um Realitäten im Geiste geht, die ich noch weiter entdecken darf. Wenn Mose es genauso machen sollte, wie es das Urbild zeigte, dann ist es wohl wichtig und spricht von etwas, was auch für uns als Gemeinde, als lebendiger Tempel von großer Bedeutung ist.

Während ich dies schreibe, kam mir in den Sinn, dass es auch in dem Buch der Offenbarung noch um den Tempel geht. In Offenbarung 21,22-23 steht:

„Und ich sah keinen Tempel in ihr, denn der Herr, Gott, der Allmächtige, ist ihr Tempel, und das Lamm. Und die Stadt bedarf nicht der Sonne noch des Mondes, damit sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes hat sie erleuchtet, und ihre Lampe ist das Lamm.“

Das war gerade noch das i-Tüpfelchen! Gott selbst ist der Tempel, um den es geht! In der Schöpfung wird etwas von Ihm zum Ausdruck gebracht. In dem Konzept der Stiftshütte und des Tempels wird es tiefer sichtbar gemacht. Und nun leben wir als dieser Ausdruck von Gott (Hebr.1,3) und am Ende kommt alles in Ihm wieder zur Ruhe.

“Alles ist durch ihn und zu ihm hin geschaffen,…“ (Kol.1,16)

 

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